Wie wirklich ist die (Medien-)Wirklichkeit?
Den Medien wird oft vorgeworfen, sie würden die Wirklichkeit verzerrt wiedergeben und die Ereignisse gar nicht wirklichkeitsgetreu abbilden, sie berichteten einseitig und seien nicht objektiv genug. Das mag alles sein und durchaus auch zutreffen. Doch sollte man sich sowohl als Kritiker als auch als Journalist fragen, was eigentlich die Aufgabe der Medien ist. Sollen sie die Wirklichkeit überhaupt möglichst genau wiedergeben? Und vor allem: Können sie es überhaupt?
Auch wenn man einmal davon absieht, dass manche Philosophen behaupten, es gäbe gar keine objektive Realität, sondern so viele, wie es auch denkende Menschen gibt, ist es ja nun doch so, dass jeder Journalist die Ereignisse, über die er berichtet, aus einer ganz bestimmten Perspektive wahrnimmt. Er kann also gar nicht vollkommen objektiv sein, weil er eine bestimmte Art zu denken hat, von diversen sozialen und psychischen Hintergründen geprägt und in einen beruflichen und redaktionellen Kontext eingebunden ist. Nicht zuletzt muss er hinsichtlich des Ereignisses nun einmal gewisse Auswahlentscheidung treffen über die Aspekte, die in seinen Bericht Eingang finden oder nicht. Würde er das nicht tun, könnte man mit jeder Nachricht ein Buch füllen, denn die Dinge sind meist komplexer als sie erscheinen. So wird man auch in fast jedem Beitrag eine mehr oder weniger deutlich zum Ausdruck gebrachte Perspektive ausmachen können. Und das ist ja auch der Grund dafür, dass man den Medienorganen unterschiedliche politische Linien nachsagt.
Also pfeifen wir auf das Postulat der Objektivität? Das nun auch nicht. Es ist natürlich ein journalistisches Ideal, nur quasi unerreichbar. Aber sonst wäre es ja auch kein Ideal. Im Journalismus spricht man auch noch von methodischer Objektivität. Das heißt, der Journalist muss bereit sein, seine eigenen Hypothesen über den Haufen zu werfen, den Weg, wie er zu seinen Schlüssen kommt, nachvollziehbar machen und unterschiedlichen Meinungen gleich viel Raum geben. Dafür ist es allerdings wichtig, seine eigene Einstellung zum Thema zu reflektieren um möglichst distanziert und unvoreingenommen an die Sache herangehen zu können.
Für den Konsumenten heißt das, dass man den Medien nicht immer und grundsätzlich manipulative Absichten unterstellen muss. Aber in jedem Fall sei dem aufmerksamen Mediennutzer empfohlen, genau hinzuschauen und auch mal zwischen den Zeilen zu lesen.

Samstag, 8. August 2009 19:01
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