Auf Krieg und Frieden
Steuern die Medien unsere Gesellschaft? Natürlich tun sie das. Mit der Art und Weise ihrer Berichterstattung nehmen sie Einfluss auf politische Entscheidungen, indem sie Stimmungen der öffentlichen Meinung entstehen lassen, sie verändern und vergehen lassen, und damit Druck auf die Politik ausüben. Eine strategisch geschickte Kommunikation von Seiten der Politik ist deshalb von existenzieller Bedeutung – insbesondere in Konfliktsituationen, denn da können Medien über Krieg und Frieden, über Sieg und Niederlage entscheiden.
Einen militärischen Konflikt könne man nicht gewinnen, ohne die Medien für sich zu gewinnen, sagte die tschechische Politikerin Jana Hybásková kürzlich im Rahmen eines Jugendmedienprojektes in Hinblick auf die Spannungen im Nahen Osten. Während die Araber prominente Medien wie Al-Dschasira für sich zu nutzen verstünden, um ihre Positionen in der öffentlichen Debatte – auch im Westen – zu etablieren, hätte Israel großen Nachholebedarf in Sachen politischer PR, um die öffentliche Meinung insbesondere in Europa und den USA vorteilhafter für sich zu gestalten. Wie sich die öffentliche Meinung hier ganz konkret ausgewirkt hat, zeigt sich am Verhältnis zwischen EU und Israel. Wie Hybásková, die bis dieses Jahr Mitglied des Europäischen Parlamentes und der Delegation für europäisch-israelische Beziehungen war, erklärte, seien die Gespräche für den Ausbau dieser Beziehungen auf Grund des Gazakrieges im Januar auf Eis gelegt worden – nicht wegen der israelischen Militäraktion selbst, sondern weil sich die öffentliche Meinung während des Krieges zu Ungunsten Israels verschoben habe. Sollte es gar einmal zum dritten Weltkrieg kommen, dann sieht sie in den Medien den Ursprung dafür.
