ARD gegen Evangelikale

Erst vor wenigen Wochen sendete das ZDF bei “frontal 21″ einen Beitrag, der sich nicht scheute, evangelikale Missionsschülerinnen mit islamistischen Selbstmordattentätern gleichzustellen (sie seien gleichermaßen bereit, für ihren Glauben zu sterben – unterschlagend, dass Selbstmordattentäter möglichst viele Unsschuldige mit in den Tod nehmen wollen, Missionsschülerinnen aber nicht). Das habe ich hier schon kommentiert. Gestern legte “Panorama” in der ARD nach: “Sterben für Gott“.

Journalisten helfen Journalisten – das kommt immer wieder vor und ist gelegentlich auch notwendig. In diesem Fall allerdings werden die schiefen Darstellungen durch den Wechsel von einem zum anderen öffentlich-rechtlichen Sender nicht besser.  Der Rat der EKD hatte sich vor fünf Wochen zu einer Presseerklärung veranlasst gesehen, die den Tenor der frontal-Sendung zurückgewiesen, “fragwürdige journalistische Mittel” kritisiert und darin eine “Diffamierung” erkannt hatte. Dem ist auch für den Panorama-Bericht nichts hinzuzufügen.

Was veranlasst eigentlich Journalisten, solche erkennbar einseitgen Beiträge zu produzieren, die dann auch tatsächlich gesendet werden? Warum wird hier nicht offen Seite und Gegenseite gehört, wie es in jedem seriösen Bericht üblich ist? Wem hilft es, eine Bischöfin mit zweifelhaftem Material zu konfrontieren, deren gesendeten Erstkommentar ihr Pressesprecher nach der Sendung mit der Bemerkung wieder halb zurück nehmen muss, man solle deren Worte nicht auf die Goldwaage legen – was ja wohl heißen soll, es sei nicht so gemeint gewesen?

Das Medienrauschen nimmt zu, die Qualität nimmt ab. Es bleibt ein schaler Nachgeschmack: Sollen Beiträge wie von “Panorama” und “frontal 21″ Erklärstücke über “die Evangelikalen” sein? Ist “Jugend mit einer Mission” so wie dargestellt das dafür geeignete Beispiel? Was lernt uns das?

Schon in meiner Studienzeit wurde eine solche Berichterstattung Kampagnenjournalismus genannt. Das war nicht positiv gemeint.

Tags »

Autor:
Datum: Freitag, 9. Oktober 2009 17:35
Trackback: Trackback-URL Themengebiet: Allgemein

Feed zum Beitrag: RSS 2.0 Kommentare sind geschlossen,
aber Du kannst einen trackback auf Deiner Seite setzen.

Ein Kommentar

  1. Christian Stritzelberger
    Montag, 12. Oktober 2009 13:44
    1

    Herzhaft erschreckend. So sehr ich viele Ausprägungen gerade von YWAM kritisch sehe, ist es schon niederschmetternd, zu sehen, dass es in öffentlich-rechtlichen “Qualitäts-Sendern” möglich ist, mit so viel schmierigem pathos einseitig zu berichten und zu polemisieren und sich dann selbstherrlich noch darin zu bestätigen, ohne irgend eine Form kritischer Distanz erkennen zu lassen.

´