Lafontaine: Krebs und Gerüchte
Oskar Lafontaine hatte angeblich eine wie auch immer geartete Beziehung zu Linksaußen Sahra Wagenknecht – berichtete Spiegel online am 16. November. Einen Tag später gab der Politiker der Linken bekannt, dass er an Krebs erkrankt sei und kurzfristig operiert werde. Worum handelt es sich hier: Um ein Beispiel für schlechten Journalismus, der die Privatsphäre von Politikern auch im Fall eines möglichen, aber unbewiesenen Ehebruchs missachtet – oder um ein Beispiel politischer PR, die sich nicht scheut, auf den befürchteten privaten Skandal eine Geschichte draufzusetzen, die (mit Grund) an das Mitleid vieler Menschen appelliert?
Stefan Reinecke kritisiert heute in der taz eine “doppelte Blamage” des Spiegel und findet: “Lassen wir ihnen [den Politikern] ihre Affären.” Doch ist dies schon die letzte aller Möglichkeiten? Nun mag jeder selbst entscheiden, wie er über Ehebruch denkt (schließlich ist ja die angebliche “Affäre” Lafontaine/Wagenknecht nur ein unbestätigtes Gerücht). Doch die Art, wie Lafontaine die Informationen über seine Krebserkrankung lancierte, lässt bei einem Politprofi wie ihm auf Absicht schließen.
Auch das Gegenteil ist übrigens möglich: Einige Gegner Lafontaines nutzen eine Gelegenheit, das schon eine Weile kursierende Gerücht um das angebliche Verhältnis endlich zum Medienthema zu machen, um dem Politiker zu schaden. Ein Dementi ist allerdings nicht erfolgt, was immerhin auffällt bei einem so äußerungsfreudigen Menschen wie Oskar Lafontaine. So bleibt wohl nur die Vermutung, dass bei diesem Thema mehrere Menschen ein schlechtes Gewissen haben könnten – Politiker und Journalisten.
